Betreutes Wohnen in einer Wohngemeinschaft

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Betreutes Wohnen in unseren Wohngemeinschaften

Baustein im SPZNord

Der Baustein „Ambulant betreutes Wohnen“ ist einer der pflichtigen Teile des Sozialpsychiatrischen Zentrums „SPZNord“. Hier werden neben Klientinnen und Klienten im Einzelwohnen auch solche unterstützt, die in einer Wohngemeinschaft leben.
Wohngemeinschaften umfassen bei uns zwischen 2 und 5 Bewohnerinnen und Bewohner in einem Wohnobjekt und unter Wahrung ihrer jeweiligen wirtschaftlichen Selbständigkeit (keine Bedarfsgemeinschaften). Die Wohnobjekte sind im wesentlichen über das Gebiet des Altkreises Aachen verstreut und werden im Rahmen der individuellen Hilfepläne der Bewohnerinnen und Bewohner betreut. Eine Kopplung zwischen Wohnraum- und Betreuungsvertrag ist ausgeschlossen.

Zielgruppe

Unsere Klientinnen und Klienten sind Erwachsene mit einer psychischen Erkrankung. Weitere Erkrankungen können ein Ausschlusskriterium sein,

  • wenn sie verhindern, dass die Erfordernisse für das Leben in einer abstinenten und stabilen Gruppe nicht erreicht werden können
  • oder aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen den Zugang zu unseren in aller Regel nicht barrierefreien Wohnobjekten erschweren.

Eine Pflegebedürftigkeit ist nicht regelmäßig ein Ausschlusskriterium, ebenso wenig das Vorliegen einer Komorbidität.

Therapeutische Gemeinschaften

Unsere WGs sind angelegt als dauerhafte Gemeinschaften, in denen sich die Beteiligten gegenseitig Hilfe und Unterstützung bieten können. Diese Unterstützung kann im Praktischen liegen (Haushaltsführung, kleinere Reparaturen) und stellt zumindest in der Aufteilung von Aufgaben im Haushalt (Einkaufen, Müllentsorgung, Säuberung der Gemeinschaftsflächen usw.) eine Entlastung für den Einzelnen dar.

Darüber hinaus ist eine Wohngemeinschaft auch immer eine soziale Gruppe,

  • in der man das Miteinander lernen und trainieren kann,
  • die der Vereinsamung entgegenwirkt
  • und durch Aspekte sozialer Kontrolle vor Rückfällen schützen kann.

Im Idealfall bietet die Gemeinschaft Vorlagen im Umgang mit der psychischen Erkrankung, zumindest aber ein Feld, in dem Umgangsweisen mit der Erkrankung erarbeitet, erprobt und gefestigt werden können.

Methoden-Bausteine

Gemeinschaftsleben lässt sich nicht verordnen, sicher aber begünstigen. Deshalb gehören bestimmte Methoden-Bausteine zum Standardprogramm einer WG:

  • Gemeinsame Kasse: Aus der WG-Kasse werden jedenfalls Reinigungsmittel, Toilettenpapier und die zur Reinigung in der WG nötigen Utensilien (Besen, Mülleimer, Mülleimerbeutel usw.) gekauft. Verfügt die Wohnung über einen Garten, müssen auch die hierfür nötigen Ausgaben aus der gemeinsamen Kasse bestritten werden. Je nach Größe und den besonderen örtlichen Anforderungen ist ein Beitrag von etwa 5,00 € pro Monat einzuzahlen.
  • Die WG-Kasse kann erweitert werden, wenn dies die Bewohnerinnen und Bewohner wünschen; so ist denkbar, dass ein Grundstock an Lebensmitteln eingekauft oder regelmäßige Freizeitaktionen aus der WG-Kasse bestritten werden. Dies führt dann aber auch dazu, dass sich der monatliche Beitrag entsprechend erhöht.
  • Dienste: Die Säuberung und Instandhaltung der allgemeinen Verkehrsflächen einer WG (Küche, Flure, Toiletten, gemeinschaftliche Wohnzimmer, Garten, Gehweg, Schneeräumdienst usw.) wird im Rahmen von Diensten verteilt. Diese Diensteverteilung kann je nach WG dauerhaft verteilt sein oder in bestimmten Rhythmen wechseln. Unsere WG-Bewohnerinnen und -Bewohner sind normale Mieter in normalen Mietobjekten, es darf von ihnen deshalb das selbe erwartet werden, wie von anderen Mieterinnen und Mietern auch.
  • Gesprächsgruppe: In jeder unserer WG findet in regelmäßigen Abständen eine WG-Gruppe in Form einer Gesprächsrunde statt. Hier geht es um die Verteilung der Dienste und der Besprechung von Schwierigkeiten untereinander. Wo es gewünscht ist, kann die Gesprächsgruppe ergänzt werden durch Freizeitaktionen oder gemeinsame Mahlzeiten.

Zu den ergänzenden Bausteinen gehören:

  • Gemeinsame Freizeitgestaltung
  • Gemeinsame regelmäßige Mahlzeiten
  • Das Feiern jahreszeitlicher Feste und von Geburtstagen der WG-Mitbewohner/-innen.

Ob und in welchem Umfang die ergänzenden Bausteine genutzt werden, wird in den jeweiligen WG-Gruppen bestimmt.

Hausordnung

Für alle WGs gilt die beiliegende Hausordnung, die auch Teil des Mietvertrags sein kann. Diese Hausordnung kann ergänzt werden durch Punkte, die in der Gesprächsgruppe einer WG vereinbart worden sind.

Voraussetzungen für das Wohnen in einer WG

Persönliche Voraussetzungen

Nicht jeder Klient und nicht jede Klientin ist geeignet, in einer WG zu leben. Die persönlichen Voraussetzungen, die ein WG-Bewohner oder eine WG-Bewohnerin mitbringen muss, sind dabei nicht gering zu erachten.

  • Zu der Fähigkeit, sich in eine Gruppe eingliedern zu können gehört auch,
  • das jeweilige Normen-Paket akzeptieren und ggf. mitgestalten zu können.
  • Nutzen aus der Gemeinschaft kann nur dann gezogen werden, wenn die Gemeinschaft auch genutzt wird, das heißt: wenn sich in das Gruppengeschehen eingebracht werden kann.
  • Eine zumindest rudimentäre Konfliktfähigkeit ist dabei grundlegend,
  • ebenso wie zumindest basale kommunikative Fähigkeiten.

Wer sich für eine Wohngemeinschaft entscheidet sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass es nicht um die kurzfristige Lösung für das Problem Wohnungslosigkeit geht.

Formelle Voraussetzungen

Neben den individuellen sind formelle Voraussetzungen zu beachten. Eine Aufnahme in eine unserer Wohngemeinschaften kann nur dann erfolgen, wenn

  • eine attestierte psychische Erkrankung vorliegt,
  • die regelmäßig fachärztlich behandelt wird,
  • die Einkommensverhältnisse und die Schuldenlage geklärt sind und
  • der „Einzugsplan“ absolviert wurde (s. u.).

Keiner dieser Punkte und kein Punkt des „Einzugsplans“ ist optional.

Einzugsplan und Aufnahmeverfahren

Die Aufnahme erfolgt, sofern die oben genannten Punkte („formelle Voraussetzungen“) gegeben sind. Dabei muss folgender „Einzugsplan“ durchlaufen werden:

  • Eine dreimonatige Kennenlernphase. Während dieser Zeit:
    • Anbindung an eine/-n BeWo-Mitarbeiter/-in
    • Vorstellung der in Frage kommenden Wohngemeinschaft
    • Teilnahme an den Gesprächsgruppen der WG (mindestens 80% der Termine müssen wahrgenommen werden)
    • eine gemeinsame Freizeitaktion mit den zukünftigen WG-Mitbewohnern
    • regelmäßige Treffen mit dem / der BeWo-Mitarbeiter/-in
    • Klärung der WG-Hausordnung und der besonderen WG-Regeln
    • Klärung der Motivation zum Leben in einer WG und zum Betreuten Wohnen.
    • Klärung der Tagesstruktur nach dem Einzug.

Zeichnet sich ein Einzug ab, wird ein Votum der bisherigen WG-Bewohner/-innen eingeholt. Mit dem Einzug ist eine „Einzugsfeier“ vorzubereiten, zu der gerne Angehörige, gesetzliche Betreuer und andere Bezugspersonen eingeladen werden können (gemeinsames Kaffeetrinken).

Ausstattung

Unsere WGs sind, was die allgemeinen Räume angeht, komplett ausgestattet (Wohnzimmer, Küche inkl. Geräte und Geschirr, Bad, Waschmaschine). Für die Möblierung und Ausstattung des eigenen Zimmers sind die Bewohner/-innen selbst verantwortlich, werden dabei aber gerne durch das BeWo unterstützt. TV, Telefon und Internet werden nicht gestellt und müssen von der WG-Gruppe – ggf. mit Unterstützung des BeWo – organisiert werden.

Kontakt

Möchten Sie sich genauer über unsere WG-Angebote informieren, dann vereinbaren Sie einfach ein unverbindliches Info-Gesprächmit unserer BeWo-Teamleitung, Margret Sistig-Tiemann: 02403 / 15001 oder nehmen Sie per Mail Kontakt mit uns auf: info@spznord.de

Stand: 8/2017

Foto: © RainerSturm / pixelio.de